top of page

"SOLLEN WIR UNS TRENNEN ODER UM DIE BEZIEHUNG KÄMPFEN?"

„Wir wissen nicht mehr, ob wir noch zusammengehören.“
„Wir lieben uns, aber wir sind miteinander nicht mehr glücklich.“
„Sollen wir noch versuchen, unsere Beziehung zu retten oder wäre eine Trennung ehrlicher?“

Wenn Paare an diesem Punkt angekommen sind, gibt es meist keine einfache Antwort. Häufig stehen sich zwei Bedürfnisse gegenüber: der Wunsch nach Nähe, Vertrautheit und einer gemeinsamen Zukunft und gleichzeitig die Sehnsucht nach Ruhe, Freiheit oder einem Leben ohne die immer wiederkehrenden Konflikte. 

Die Frage ist deshalb nicht immer nur: „Liebe ich meinen Partner noch?“

Es geht auch um die Fragen:

„Wie geht es mir in dieser Beziehung und ist eine Veränderung zwischen uns noch möglich?“

EINE BEZIEHUNGSKRISE BEDEUTET NICHT AUTOMATISCH DAS ENDE.

In einer längeren Beziehung gibt es Phasen, in denen Zweifel entstehen. Nähe verändert sich, Lebensziele entwickeln sich weiter und das Bild, das wir am Anfang voneinander hatten, wird realistischer.

Manchmal geraten Paare dabei in einen Kreislauf, in dem beide immer wieder dieselben Verletzungen erleben:

Einer fühlt sich nicht gesehen und fordert mehr Nähe. Der andere fühlt sich kritisiert oder eingeengt und zieht sich zurück. Daraufhin fühlt sich der erste noch stärker abgelehnt und wird noch fordernder.

Irgendwann entsteht der Gedanke:

„Wir passen einfach nicht zusammen.“

Doch bevor eine solche Schlussfolgerung gezogen wird, kann es hilfreich sein, genauer hinzusehen:

Ist tatsächlich unsere Beziehung das Problem oder sind wir in einem Beziehungsmuster gefangen, das sich verändern lässt?

EIN VERENGTER BLICK IST NICHT HILFREICH.

Wenn eine Beziehungskrise lange anhält, kann sich der Blick zunehmend verengen. Man sieht vor allem die Streitigkeiten, Enttäuschungen und das, was der andere nicht tut.

Eine hilfreiche Übung kann deshalb sein, eine ehrliche Beziehungsbilanz zu erstellen.

WAS VERBINDET UNS NOCH?

  • Welche gemeinsamen Werte teilen wir?

  • Was schätze ich an meinem Partner?

  • Gibt es noch Momente von Nähe, Humor oder Verbundenheit?

  • Können wir uns gegenseitig emotional erreichen?

  • Gibt es gemeinsame Zukunftsvorstellungen?

WAS TRENNT UNS?

  • Welche Konflikte kehren immer wieder?

  • Welche Bedürfnisse bleiben dauerhaft unerfüllt?

  • Welche Unterschiede sind für mich schwer akzeptierbar?

  • Gibt es Verletzungen, die bisher nicht verarbeitet wurden?

  • Wie gehen wir miteinander um, wenn wir unter Druck geraten?

WAS PASSIERT, WENN WIR UNS STREITEN?
 

 Beziehungskonflikte können besonders intensiv werden, wenn tief verankerte emotionale Muster, sogenannte Schemata, aktiviert werden.

Vielleicht kennen Sie Gedanken wie:

„Ich bin meinem Partner nicht wichtig.“
„Ich kann mich auf niemanden verlassen.“
„Ich darf keine Bedürfnisse haben.“
„Ich werde sowieso verlassen.“
„Ich bin nicht gut genug.“

Wenn solche empfindlichen Punkte in einer Beziehung berührt werden, reagieren wir manchmal viel stärker, als es die aktuelle Situation allein erklären würde.

Der Partner sieht vielleicht nur:

„Warum reagierst du denn so extrem?“

Die andere Person erlebt innerlich möglicherweise:

„Schon wieder werde ich nicht gesehen.“

Das bedeutet nicht, dass jede Beziehung gerettet werden sollte. Aber es lohnt sich zu unterscheiden, was tatsächlich zwischen den Partnern passiert und was durch alte Verletzungen zusätzlich aktiviert wird.

SIND WIR BEREIT, ETWAS ZU VERÄNDERN?

Denn auch starke Liebe reicht manchmal nicht aus, wenn sich ein destruktives Beziehungsmuster dauerhaft wiederholt und niemand bereit ist, Verantwortung für den eigenen Anteil zu übernehmen.

Umgekehrt kann eine Beziehung sehr belastet sein und trotzdem Entwicklungsmöglichkeiten haben.

Ein Paar kann lernen,

  • Konflikte anders auszutragen,

  • verletzliche Gefühle hinter Vorwürfen wahrzunehmen,

  • eigene Bedürfnisse klarer auszudrücken,

  • Grenzen zu setzen und zu respektieren,

  • Verantwortung für den eigenen Anteil zu übernehmen,

  • und wieder mehr Sicherheit und Verbundenheit miteinander aufzubauen.

"ICH LIEBE DICH" UND "ICH KANN SO NICHT WEITER MACHEN" KÖNNEN GLEICHZEITIG WAHR SEIN"

Eine Beziehung muss nicht entweder gut oder schlecht sein.

Sie können einen Menschen lieben und gleichzeitig feststellen, dass die aktuelle Form Ihrer Beziehung Ihnen nicht mehr guttut.

Sie können dankbar für die gemeinsame Geschichte sein und trotzdem spüren, dass Sie sich verändern möchten.

Und Sie können den Wunsch nach Trennung haben und gleichzeitig traurig darüber sein.

Ambivalenz ist kein Zeichen dafür, dass Sie die falsche Entscheidung treffen.

Sie zeigt zunächst einmal, dass Ihnen etwas wichtig ist.

GIBT ES AUCH ALTERNATIVEN?

Aus der schematherapeutischen Paartherapie nach Eckhard Roediger stammt der hilfreiche Gedanke, dass es zwischen „zusammenbleiben wie bisher“ und „sich trennen“ weitere Möglichkeiten geben kann.

Ein Beispiel ist „Living together apart“: Ein Paar bleibt zusammen, gestaltet aber bestimmte Lebensbereiche bewusster getrennt und gibt unterschiedlichen Bedürfnissen nach Nähe und Autonomie mehr Raum.

Auch „Living Apart Together“ kann für manche Paare eine Möglichkeit sein. Dabei führen die Partner eine verbindliche Beziehung, leben jedoch in getrennten Wohnungen. So kann mehr Eigenständigkeit entstehen, ohne die emotionale Verbindung aufzugeben.

WAS, WENN EINER KÄMPFEN MÖCHTE, DER ANDERE ABER NICHT?

Um eine Beziehung einzugehen braucht es zwei Menschen. Für eine Trennung braucht es nur eine.

Paartherapie kann dabei helfen, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem beide ehrlich sagen können, was sie brauchen, was sie verletzt und ob sie noch eine gemeinsame Perspektive sehen. Genauso kann auch eine Trennung respektvoll gestaltet werden.

UND MANCHMAL IST TRENNUNG DER RICHTIGE WEG

Nicht jede Beziehung sollte gerettet werden. Bei Gewalt, Kontrolle oder wiederholten schweren Grenzverletzungen stehen Sicherheit und Schutz an erster Stelle. Auch wenn dauerhaft keine Bereitschaft zur Veränderung besteht, kann eine Trennung der ehrlichere Weg sein.

Eine Beziehung zu beenden bedeutet nicht automatisch, gescheitert zu sein. Manchmal bedeutet es, anzuerkennen:

„So, wie unsere Beziehung gerade ist, können wir beide nicht mehr gut miteinander leben.“

bottom of page